Anthropic Decart AI Übernahme: 6 Milliarden Dollar Deal
Rund 6 Milliarden US-Dollar soll Anthropic für das israelische Startup Decart AI zahlen – ein Aufschlag von etwa 50 Prozent auf dessen Bewertung von nur drei Monaten zuvor. Es wäre nicht nur die größte Übernahme in der Firmengeschichte, sondern bereits die fünfte in diesem Jahr – mitten in den Vorbereitungen für einen Börsengang, der Anthropic auf über 2 Billionen Dollar bewerten könnte.
Ein Aufschlag von 50 Prozent in weniger als drei Monaten
Bloomberg berichtete am 12. August unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen, dass Anthropic in Gesprächen über die Übernahme von Decart AI stehe – zu einem Preis von rund 6 Milliarden Dollar. Die Verhandlungen befinden sich laut übereinstimmenden Berichten noch in einem frühen Stadium; ein Abschluss ist nicht garantiert, die Gespräche könnten auch scheitern. Sowohl Anthropic als auch Decart lehnten eine Stellungnahme ab.
Bemerkenswert ist vor allem das Tempo der Wertsteigerung: Erst im Mai 2026 hatte Decart in einer von Radical Ventures angeführten Finanzierungsrunde 300 Millionen Dollar eingesammelt – mit Nvidia, Atreides Management, Valor Equity Partners und Adobe Ventures als neuen Investoren sowie den Bestandsinvestoren Sequoia Capital, Benchmark und Zeev Ventures. Diese Runde bewertete das Unternehmen mit knapp 4 Milliarden Dollar, gegenüber 3,1 Milliarden Dollar im August 2025. Ein Deal bei 6 Milliarden Dollar würde einen Aufschlag von rund 50 Prozent bedeuten – innerhalb von nur drei Monaten.
„Wir trainieren unsere KI auf Text und Millionen Stunden Video, um ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie sich reale Eigenschaften simulieren lassen.“
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Vom Klamotten-Anprobieren in Echtzeit bis zu simulierten Trainingswelten für Roboter
Decart wurde 2023 von den Brüdern Dean und Orian Leitersdorf sowie Moshe Shalev in Israel gegründet und hat seinen Hauptsitz mittlerweile in San Francisco. Das Unternehmen positioniert sich an der Schnittstelle zwischen generativer Video-KI, sogenannten „Weltmodellen“ und Chip-Optimierung – drei Bereiche, die für Anthropic strategisch hochrelevant sind.
Im Juli 2026 veröffentlichte Decart mit Lucy 2.5 nach eigenen Angaben das erste Modell, das Echtzeit-Streaming visueller Effekte in Videogenerierung ermöglicht. Sollte der Deal zustande kommen, würde das Decart-Team laut Bloomberg in Anthropics „Inference and Performance“-Organisation integriert – nicht als eigenständiges Produkt-Team, sondern als Verstärkung der technischen Infrastruktur hinter Claude.

Die fünfte Übernahme des Jahres folgt einer klaren Logik: Talent statt Produkte
Der mögliche Decart-Deal reiht sich in eine Serie gezielter Übernahmen ein, mit denen Anthropic in den vergangenen Monaten seine technische Infrastruktur ausgebaut hat – nicht um neue Endkundenprodukte zu launchen, sondern um Engineering-Kapazität und Recheneffizienz zu sichern.
Parallel dazu baut Anthropic seine Recheninfrastruktur über Partnerschaften massiv aus: ein Langfrist-Abkommen über AWS-eigene Trainium-Chips, geplante Nutzung von Googles Tensor-Processing-Units, ein Compute-Deal mit SpaceX und laut New York Times Gespräche über eine bis zu 10 Milliarden Dollar schwere Anmietung von Meta-Rechenkapazität über zwei Jahre. Erst vergangene Woche kündigte Anthropic zudem an, eigene Ingenieure für das Co-Design kundenspezifischer Chips einzustellen, um Claude-Modelle schneller und kostengünstiger laufen zu lassen. Der mögliche Decart-Kauf fügt sich exakt in dieses Bild: Auch hier geht es weniger um ein neues Produkt als um Inferenz-Know-how und Optimierungstechnologie.

Warum der Zeitpunkt kein Zufall ist
Der mögliche Decart-Deal fällt in eine Phase, in der Anthropic Insidern zufolge einen Börsengang für Oktober 2026 vorbereitet – mit einer angestrebten Bewertung von über 2 Billionen Dollar, was die IPO zur größten der Geschichte machen und selbst SpaceX‘ Rekord-Börsengang vom Juni (1,77 Billionen Dollar) übertreffen würde. Laut Financial Times gehen Investoren davon aus, dass der annualisierte Umsatz von 47 Milliarden Dollar im Mai bis Dezember auf 100 bis 120 Milliarden Dollar steigen könnte – mehr als eine Verzehnfachung gegenüber Jahresbeginn.
Ein Investor sagte gegenüber der Financial Times, ein bei 800 Prozent jährlich wachsendes Unternehmen könne selbst am unteren Ende realistischer Erwartungen mit dem 30-Fachen des Umsatzes bewertet werden – was rechnerisch auf 3 Billionen Dollar hinausliefe. Zum Vergleich: KI-nahe Werte wie Palantir und Nebius wurden dieses Jahr bereits mit dem 55-Fachen des Umsatzes gehandelt. Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan begleiten den Börsengang als federführende Banken; Anthropic reichte im Juni die entsprechenden Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC ein und befindet sich seither in der sogenannten Quiet Period.
Sollte der Decart-Deal zustande kommen, wäre er weniger eine Produktentscheidung als eine Infrastruktur-Wette: Anthropic kauft sich Inferenz- und Optimierungs-Know-how ein, das direkt in die Fähigkeit einfließt, Claude schneller, günstiger und mit mehr Kapazität zu betreiben – genau zu dem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen der Börse ein Wachstumsversprechen von 100 bis 120 Milliarden Dollar Jahresumsatz verkaufen will. Für Unternehmen im DACH-Raum, die auf Claude als Kerninfrastruktur setzen, ist das eine gute Nachricht in puncto Skalierbarkeit – gleichzeitig ein Signal, dass sich die gesamte Kostenstruktur hinter den Kulissen in den kommenden Monaten spürbar verändern dürfte, sobald ein möglicher Börsengang echten öffentlichen Bewertungsdruck erzeugt.
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